Sagenhaftes von Kaltenlengsfeld

In den Köpfen der Kaltenlengsfelder Einwohner spuckt natürlich in früheren Zeiten, wie auch leider heute noch bei manchen, Hexen- und Teufelsgestalten und was sonst noch für gute und böse Geister in den Hirngespinsten alter Weiber und spitzzüngiger Klatschbasen existierte. Der Grund dafür lang in der Verwahrlosung des Volkes im 30 jährigen Krieg und wurde leider von der katholischen Kirche im Kampfe gegen den Protestantismus geschürt und ausgenutzt. Alle die nachstehend erzählten Sagen von Kaltenlengsfeld gründen sich mehr oder weniger auf harmlose, alltägliche Vorkommnisse, die, da sie den Leuten von damals unerklärlich und geheimnisvoll erschienen, ins Reich der Fabel und des Hexen – und Teufelsglaubens hineingetragen wurden. Wenn heute noch Menschen an derartige Geschehnisse glauben und diese nacherzählen, so ist das ein Kultur-und Glaubenstiefstand, wie man ihn heute nur noch bei den allerniedrigstehenden Naturvölkern findet. Wenn ich trotzdem „Sagenhaftes“ von Kaltenlengsfeld bringe, wie es Chr. Ludwig Wucke in seinem Werk: „Sagen der mittleren Werra, der angrenzenden Abhänge der Thüringer Waldes, der Vorder- und der Hohen Rhön, sowie der fränkischen Saale“ erzählt, so soll das nur dazu dienen, zu zeigen, wie tief unglücklich sich die Menschen von damals das Leben gestaltet haben. Telephon, Radio, Grammophon, Flugzeug, Zeppelin, Auto und anderes mehr würden bestimmt von unseren Urvätern als überirdische Wesen angestaunt werden, und sie sind doch nur Geisteserzeugnisse unserer Zeit. Einen Hypnotiseur und Tausendkünstler, wie man sie in heutiger Zeit noch auf Jahrmärkten und Schützenfesten ihr scheinbar „ dunkles Handwerk“ betreiben sieht, hält kein verständiger Mensch für einen Hexenmeister, geschweige denn eine alte, zahnlose Kartenschlägerin für ein allwissendes Weiblein. Sie sind nur klüger als ihre Mitmenschen, deren Dummheit sie zum Nutzen ihres Geldbeutels auszuwerten verstehen. Darum wolle man nachstehende Legenden über Kaltenlengsfeld nur als Auswüchse einer tiefstehenden Volksbildung betrachten, worüber man nur lächeln kann, die des Nachdenkens aber sicher nicht wert sind.

Kapitel IV aus der Ortschronik von Kaltenlengsfeld-Rhön
Zusammengestellt nach alten Überlieferungen von Hermann Eisenträger (1950-1951)