Rhönpaulus an der Zigeunerecke

Paulus mit seinen Gaunerstückchen wohl bekannt, war auch in hiesiger Flur unterwegs um wie immer Beute für die Armen auszumachen. Er wurde dafür von der Herrschaft ständig gesucht und gejagt. Als eines Tages mutige Streifer im Schweiße ihres Angesichts auf den hohen Basaltsteinen des Hahnrückens herumkletterten und in den Dickichten des Riederholzes, der Stillbach, des Nassen Geheges, des Hohen Steines und der Hohen Asch herumkrochen, saßen Paulus und sein treuer Begleiter beim Gastwirt in Friedelshausen. Der Abend war hereingebrochen und hundemüde kehrten die Streifer mit dem bekannten Landjäger Gerlach gar durstig in das Wirtshaus ein. Seine schwere Muskete hing er hastig in die Ecke der Gaststube und fluchte: „ Ein himmelheilges Donnerwetter soll den Galgenvogel den Paulus holen.“ „Der Paulus wird hintreten und auch euch warten“ meinte trocken der Wirt. Alles krümmte sich vor Lachen. „Es ist euch gewiss recht warm geworden Herr Landjäger, fragte unerschrocken ein stattlicher Gast. Der Gerlach setzte sich zu ihm nieder und kühlte seinen Grimm mit einem kräftigen Schluck. Der Wirt brachte ein deftiges Essen mit würzigen Schinken und der Fremde sagte. „Nun langt gefälligst zu Herr Landjäger wenn ich Euch einlade“. Nachdem der Hunger gestillt und der Schnurrbart abgewischt war, fragte Gerlach „wo wollen die beiden Herren noch hin “? Beide antworteten: „Heute Abend noch nach Kaltenlengsfeld, Herr Landjäger.“ Da werde ich Euch begleiten,damit Euch nichts passiert meine Herren“ und deutete auf den strotzenden Geldgurt des Nachbarn.Nachdem die Zeche bezahlt war verließen die Drei das Wirtshaus und schlugen den nach Kaltenlengsfeld führenden Weg ein. Sie waren so ziemlich auf der Höhe angekommen, als der eine Begleiter stehen blieb und Gerlach fragte, ob sein Gewehr geladen sei, er war Soldat und wolle gerne einen Probeschuss damit tun. Zuvorkommend reichte ihm der Landjäger seinen Schießprügel und er griff sofort zu. Nun wandten sich beide dem Landjäger zu und dankten für die gütige Begleitung.“ Es wird Euch ein besonderes Vergnügen machen zu wissen, wen Ihr da begleitet habt. Ich heiße Paulus und er ist einer meiner treuesten Genossen.“ Als er sah das Gerlach Miene machte und den Säbel ergriff sagte er noch. „Laßt den Spießgöcker ruhig in der Scheide, es wäre sonst Dein sicherer Tod. Bleib ganz ruhig hier stehen und warte bis wir oben zum Walde hinein sind. Das Gewehr legen wir dort nieder und Ihr werdet niemanden von unserer Begebenheit erzählen, sonst würdet Ihr Euch ewig lächerlich machen. Beide Raubgesellen wanden sich seelenruhig um und schritten mit ihren Schäferstöcken dem Nachtquartier am Kohlbachshofe zu.