Der Spuk auf dem Hahnberg

Wenn man auf dem kürzesten Wege aus dem Katzgrund über den Hahnrücken ins Tal der Felda gen Kaltennordheim wandert, gelangt man, nachdem man den schön gelegenen Amönenhof passiert hat, in die teils zu Öpfershausen, teils zu Kaltenlengsfeld gehörige, an guten Feldern reiche Wustung Hahnberg. Sie gehörte ursprünglich einem adligen Geschlechte, daß sich von Hohnberg nannte. Später ging sie nacheinander in den Besitz der Herren von Buttlar, Teufel, Stein und Herda über. Die einstigen Inhaber der Besitzung sollen auch dort wohnhaft gewesen sein. In dem nach Kaltenlengsfeld zu gelegenen Teil der Wustung ist es schon von früher her nicht immer „richtig“ gewesen und es sind dort allerlei merkwürdige Dinge gesehen und gehört worden. So war einst der alte Windmüller von Kaltenlengsfeld in der Wustung auf seinem Acker beschäftigt. Da erblickte er an einer sonst öden Stelle, just da, wo das Alte Schloß gestanden haben soll, einen herrlichen Garten mit den schönsten blühenden Blumen. Es war am hellen Mittag, die Sonne schien heiß und er sah alles ganz deutlich. Die seltsame Erscheinung machte auf den alten Mann einen tiefen Eindruck und es wurde ihm auf einmal so unheimlich zumute, daß er sein Handwerkszeug zusammenraffte und sich eiligst aus dem Staube machte.                                                            Ein andermal sahen Kinder beim Beerensammeln und ein anderer Arbeiter eine mit vier Pferden bespannte prächtige Kutsche, der ein bellendes Hündchen voraussprang, aus einem dort befindlichen Gehölz, das Rieth genannt, auf einem Wege herausfahren, den man sonst nie gesehen hatte und dann verschwinden.                                                                                     Der alte Schulmeister aus dem nächsten Orte , ein gar wackeres, furchtloses Männchen, auch ein tüchtiger Jäger vor dem Herrn, trat eines Abends an den Rieth auf den Anstand, um sich einen aus dem Lampengeschlechte, das dort zahlreich vertreten war, als Sonntagsbraten zu holen. Es war ein wunderschöner, windstiller Herbstabend, wie gemacht für den Anstand, allein Meister Lampe ließ trotzdem lange auf sich warten. Allmählich wurde es dunkel und die Nacht breitete ihre schwarzen Fittiche über den schweigenden Wald. Plötzlich erhob sich ein Sausen und Brausen in demselben, als ob alle Bäume zusammenbrechen wollten und die Geister der Hölle los wären. Da packte unsern Nimrod ein solches Grausen, daß er schleunigst den Schießprügel auf die Schulter nahm und spornstreichs nach Hause eilte. Er ist nachdem nie wieder an den Rieth auf Anstand gegangen.