Die weiße Jungfer in den „föllschen“ Bergen

Es muss so zur Kirmeszeit gewesen sein, denn wenn auch noch einige „Wolkensterne“ (Schmetterlinge) da und dort herumflatterten, so rieselte doch schon lange das buntgefärbte Laub im Walde, als sich ein Korbmacher von Kaltenlengsfeld in der Mittagsstunde von seinem Vieh, daß er zur Weide getrieben, entfernte, um in den nahen Dickicht, man heißt´s dort in den föllschen Bergen (in den fuldaischen Bergen) ,Ahorn zu seinen Korbflechtereien zu schneiden. Da erblickte er gar nicht weit von sich unter einer alten Buche eine weiße Jungfer, die ihm mit einem weißen Tüchlein winkte, daß ihr weit über den Kopf hing.Der Korbmacher blieb stehen und betrachtete mit Grausen, er war doch eben kein Furchthase, die Erscheinung deren Angesicht wie mit puren Spinnweben überzogen schien. Einen Augenblick dachte er bei sich selbst: „Sollst du auf sie zugehen und sie anreden oder ausreisen und den Jungen herbeirufen, weil sie so garstig aussieht!“ Er tat das letztere. Als er bald darauf mit dem Jungen wieder an den Platz kam, war die Jungfer verschwunden. Der Korbmacher hätte er`s anders gemacht, wäre vielleicht ein reicher Mann geworden, so musste er sich das Maul vor dem Essen abwischen.